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Arbeitskräftemangel im Schaustellergewerbe

Arbeitskräftemangel im Schaustellergewerbe

Der Mangel an Arbeitskräften wird zunehmend – gerade auch in Folge der Corona-Pandemie – zu
einer existenziellen Bedrohung des Schaustellergewerbes und damit der deutschen Volksfeste.
Deutsche Mitarbeiter sind nur selten für die harte Arbeit bei Wind und Wetter auf unseren Volksfestplätzen
zu begeistern, obwohl die Schausteller schon seit Jahren – bereits vor Einführung eines
Mindestlohns in Deutschland – anständige Löhne zahlen. Schaustellergehilfen aus Polen und Rumänien
sind kaum noch motiviert, fern der Heimat mit uns auf die Reise zu gehen, seitdem in diesen
Ländern annähernd Vollbeschäftigung herrscht.
Die Westbalkan-Regelung machte zwar Hoffnung, doch scheitert die Umsetzung fortwährend an der
schleppenden Bearbeitung der Visa in den überlasteten deutschen Botschaften vor Ort. Wartezeiten
von mehreren Monaten mögen akzeptabel sein, wenn Mitarbeiter (Fachkräfte) dauerhaft in
Deutschland Fuß fassen wollen. Für Saisonkräfte ist diese Regelung schlichtweg untauglich. Das aktuelle
Abkommen mit Georgien bezieht sich nur auf Arbeitskräfte in der Landwirtschaft – die auch
nur für einen kurzen Zeitraum hier tätig sein dürfen.
Die Corona-Pandemie hat den Mangel an Arbeitskräften im Dienstleistungssektor weiter verschärft
– und führt in Bezug auf die Schaustellerbranche zu einer fatalen Verkettung:
Gerade der Fahrgeschäfts-Sektor ist mit Transport, mit Auf- und Abbau und Betrieb sehr arbeitsintensiv.
Wenn diese Geschäfte stillstehen, fehlen den Festen die Zugpferde.
Ein Volksfest ohne Karussell ist aber kein Volksfest.
Diese Entwicklung führt nun immer häufiger dazu, dass gerade personalintensive Betriebe wie z.B.
große Fahrgeschäfte ihre Engagements auf Volksfestplätzen absagen mussten, weil ihnen schlicht
das Personal für den Transport, den Auf- und Abbau sowie den Betrieb fehlt. Eine solche Absage ist
nicht nur für den Unternehmer wirtschaftlich extrem schmerzhaft, es hat auch negative Folgen für
das Volksfest selbst, denn gerade die großen Fahranlagen sind die Leuchttürme und Zugpferde der
Volksfeste.

Unseres Erachtens bedarf es dringend neuer bilateraler Abkommen mit Staaten, deren Bevölkerung
ein hohes Interesse an einem temporären und auskömmlichen Arbeitseinsatz in der Bundesrepublik
hat. Ein weiterer denkbarer Weg ist die Integration von Langzeitarbeitslosen und Geflüchteten mit
Aufenthaltsstatus in den deutschen Arbeitsmarkt über den Einstieg in den Beruf des Schaustellergehilfen.
Die reisende Tätigkeit, die in den Sparten Verkauf, Gastronomie und Fahrgeschäfte stattfindet,
ist oft auch bei anfänglich bescheidenen Kenntnissen der deutschen Sprache erlernbar.
Die Umsetzung dieser Lösungsvorschläge kann die Branche nicht alleine realisieren, es bedarf der
tatkräftigen Unterstützung von Politik und Verwaltung.
Ohne eine zügige Lösung des Problems müssen wir befürchten, dass die fast 10.000 deutschen
Volksfeste schon bald erheblich an Attraktivität verlieren werden, da sie nicht mehr vollständig und
termingerecht beschickt werden können.

Quelle.: Deutscher Schaustellerbund e.V.